Praxisnahe Forschung

Aktionsforschung · in Auswertung

Partizipative
Gestaltungs­möglichkeiten in der
Kinder- und Jugendhilfe

Wie verstehen Fachkräfte Beteiligung, wenn Kinder und Jugendliche in Obhut genommen werden?

Ein Forschungsprojekt der iba Leipzig in Kooperation mit der Kairos Forschung, Bildung und Beratung GmbH

Ein verknäueltes Kabel, das in eine Glühbirne läuft

Mit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz von 2021 hat der Gesetzgeber die Beteiligungsrechte junger Menschen deutlich gestärkt. Kinder und Jugendliche sollen zu selbstbestimmten Persönlichkeiten heranwachsen und an den Entscheidungen, die sie betreffen, mitwirken.

Wie lässt sich dieser Anspruch dort einlösen, wo die Situation am wenigsten Spielraum zu lassen scheint: in der Inobhutnahme, wenn junge Menschen in einer akuten Krise Schutz brauchen? Das Projekt geht dieser Frage gemeinsam mit einem freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe nach.

Ausgangslage

Mehr Beteiligung per Gesetz

Das KJSG hat Beteiligung im SGB VIII an mehreren Stellen konkretisiert, unter anderem durch Ombudsstellen und Selbstvertretungen. Für die Träger stellt sich damit die Frage, wie diese Rechte im Alltag ihrer Einrichtungen tatsächlich gelebt werden.

Zu einzelnen Aspekten der Reform, etwa zu Beteiligungsrechten in akuten Schutzsituationen, liegt bislang kaum Forschung vor.

Spannungsfeld

Zwischen Schutz und Selbstbestimmung

In der Inobhutnahme treffen der Schutzauftrag, eine oft kurze Aufenthaltsdauer und eine hohe Dynamik aufeinander. Fachkräfte müssen Verantwortung übernehmen und zugleich Räume öffnen, in denen junge Menschen mitreden und mitgestalten können.

Wie sie diese Balance verstehen und gestalten, hängt nicht nur von Verfahren ab, sondern wesentlich von ihrer professionellen Haltung.

Leitfrage

Wie verstehen Fachkräfte in der Inobhutnahme Partizipation, und was gibt ihnen Sicherheit, Beteiligung auch in Krisensituationen zu ermöglichen?

Partizipativ in doppelter Hinsicht

Das Projekt untersucht Beteiligung nicht nur, es ist selbst beteiligend angelegt: als Aktionsforschung, die Hochschule und Praxis zusammenbringt.

Mit Studierenden

Forschen lernen am realen Projekt

Studierende der Sozialen Arbeit an der iba Leipzig gestalten den Forschungsprozess mit: Sie entwickeln den Interviewleitfaden, führen die Gespräche, werten das Material aus und reflektieren ihr Vorgehen gemeinsam in einer Forschungswerkstatt.

Mit dem Träger

Fragen aus der Praxis, Ergebnisse für die Praxis

Der kooperierende Träger bringt seine Fragestellung ein und begleitet das Projekt. Nach Abschluss werden die Ergebnisse dort vorgestellt und als Handlungsempfehlungen in die Organisationsentwicklung übernommen.

Vorgehen

Befragt wurden Fachkräfte unterschiedlicher Grundprofessionen, die in der Inobhutnahme arbeiten: Sozialarbeitende, Erzieher:innen und Quereinsteigende. In leitfadengestützten Interviews beschreiben sie ihr Verständnis von Partizipation, ihre Erfahrungen im Alltag und die Grenzen, an die sie stoßen. Ausgewertet wird mit der qualitativen Inhaltsanalyse.

  1. Fragestellung · abgeschlossen
    Gemeinsame Themenfindung mit dem Träger, Entwicklung des Leitfadens in der Forschungswerkstatt
  2. Erhebung · abgeschlossen
    12 qualitative Interviews mit Fachkräften zu ihrem Selbstverständnis von Partizipation
  3. Auswertung · aktuell
    Qualitative Inhaltsanalyse und Einordnung in die fachliche Diskussion
  4. Rückführung · nach Abschluss
    Vorstellung beim Träger und Handlungsempfehlungen für die Organisationsentwicklung

Auf einen Blick

Status

In Auswertung

Arbeitsfeld

Inobhutnahme in der Kinder- und Jugendhilfe

Projektträger

iba Leipzig in Kooperation mit der Kairos Forschung, Bildung und Beratung GmbH

Datengrundlage

12 qualitative Interviews mit Fachkräften

Methode

Partizipative Aktionsforschung · leitfadengestützte Interviews · qualitative Inhaltsanalyse

Beteiligte

Studierende der iba Leipzig und ein freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe

Was daraus entstehen soll

Handlungsempfehlungen

Konkrete Ansatzpunkte, wie Beteiligung in der Inobhutnahme gestärkt werden kann, aufbereitet für die Organisationsentwicklung des Trägers.

Fachliche Sicherheit

Einblicke, was Fachkräften hilft, Partizipation auch unter Zeitdruck und in Krisen professionell zu gestalten, etwa im Hinblick auf Qualifizierung und Teamkultur.

Forschung und Lehre

Erfahrungen mit partizipativer Praxisforschung, die in die Lehre der iba Leipzig und in künftige Forschungswerkstätten mit Praxispartnern einfließen.

Projektleitung

Dr. Raik Zillmann

Praxisforschung · Organisationsentwicklung · Ethik der Sozialen Arbeit

Professor für Soziale Arbeit und Sozialmanagement an der iba Leipzig und Kultursoziologe. Seit drei Jahrzehnten forscht, berät und begleitet er Organisationen der Sozialen Arbeit. Mehr zur Person

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