Forschungsprojekt 2026–2029
Religion in Organisationen
der Sozialen Arbeit
Was trägt, wenn der Träger konfessionell ist?
Ein Forschungsprojekt der iba Leipzig in Kooperation mit der Kairos Forschung, Bildung und Beratung GmbH
Konfessionelle Träger beziehen sich in ihrem Selbstverständnis auf religiöse Traditionen und Werte. Zugleich arbeiten sie in Mitteldeutschland in einem Umfeld, in dem die meisten Menschen keiner Kirche angehören, auch viele Fach- und Leitungskräfte und Adressat:innen.
Das Forschungsprojekt fragt, was konfessionelle Trägerschaft unter diesen Bedingungen im Arbeitsalltag bedeutet: für professionelles Handeln, für Führung und für die Entwicklung sozialer Organisationen.
Ausgangslage
Ein Profil unter neuen Bedingungen
Die Entkirchlichung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen schreitet voran. Für Diakonie, Caritas und andere konfessionelle Träger wird es schwieriger, ihr Profil inhaltlich und organisational zu gestalten, wenn konfessionelle Bindung bei Mitarbeitenden nicht mehr vorausgesetzt werden kann.
Hinzu kommen der Fachkräftemangel, in dem Fragen nach Sinn und Zugehörigkeit an Gewicht gewinnen, und die neu geführte Debatte um Loyalitätserwartungen kirchlicher Arbeitgeber nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 29. September 2025.
Forschungslücke
Wenig Wissen aus dem Arbeitsalltag
Die Forschung zu Sozialer Arbeit und Religion befasst sich bislang vor allem mit Religionssensibilität, Spiritualität und Religionspädagogik. Wie konfessionelle Trägerschaft im Alltag von Organisationen erlebt wird, ist dagegen kaum untersucht, besonders nicht aus der Sicht der Beschäftigten selbst.
Hier setzt das Projekt an: mit einer qualitativen Studie, die von den Erfahrungen und Deutungen der Fach- und Leitungskräfte ausgeht.
Leitfrage
Wie deuten Fach- und Leitungskräfte konfessioneller Träger zentrale berufliche Erfahrungen, und welche Rolle spielen religiöse Deutungsressourcen dabei?
Drei Leitthemen
Organisation
Wo zeigt sich konfessionelle Trägerschaft im Arbeitsalltag?
Leitbilder, Werte und Selbstverständnis: was davon im Alltag erlebt wird und was den Träger aus Sicht der Beschäftigten von anderen unterscheidet.
Profession
Welche Bedeutung hat sie für Handeln und Führung?
Wie Belastungen, Grenzen und Erfolge gedeutet werden und welche fachlichen, persönlichen, organisationalen oder religiösen Ressourcen dabei Orientierung geben.
Entwicklung
Wie verändern sich Erwartungen an konfessionelle Trägerschaft?
Wie Loyalitätserwartungen wahrgenommen werden, wo Passung entsteht und wo Spannungen, und was daraus für die Zukunft des Profils folgt.
Vorgehen
Die Studie setzt nichts voraus, sondern untersucht, was im Arbeitsalltag erlebt wird. In offenen, teilstrukturierten Interviews erzählen Fach- und Leitungskräfte von prägenden Situationen ihrer Arbeit: von Gelingen, von Grenzen, von dem, was Orientierung gibt. Religion soll dabei im Material sichtbar werden und nicht durch die Fragen erzeugt werden. Ausgewertet wird mit Grounded Theory und Narrationsanalyse.
- Leitungsperspektive · bis April 2027
Interviews mit Fachbereichs-, Einrichtungs- und Teamleitungen - Mitarbeitendenperspektive · Herbst 2027
Interviews mit Fachkräften ohne Leitungsfunktion - Analyse · 2028
Vergleich der Perspektiven, Typenbildung, Gelingens- und Spannungsbedingungen - Transfer · bis 2029
Aufbereitung für die Praxis, Fachpublikation und Abschlussveranstaltung
Auf einen Blick
Status
Laufend · Auftakt am 24. November 2026
Laufzeit
2026–2029
Region
Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
Beteiligte
Fach- und Leitungskräfte konfessioneller Träger, u. a. aus Diakonie und Caritas
Methode
Teilstrukturierte Interviews · Grounded Theory und Narrationsanalyse
Projektträger
iba Leipzig in Kooperation mit der Kairos Forschung, Bildung und Beratung GmbH
Verstehen, nicht bewerten
Ergebnisoffen. Das Projekt ist weder werbend noch kritisch gegenüber kirchlicher Trägerschaft angelegt.
Unabhängig. Es bewertet weder Glaubenshaltungen noch einzelne Organisationen und ist keine Auftragsforschung.
Vertraulich. Alle Daten werden anonymisiert und wissenschaftlich ausgewertet. Rückschlüsse auf Personen oder Einrichtungen werden nicht veröffentlicht.
Im Dialog mit der Praxis
Das Projekt startet am 24. November 2026 mit einer offenen Impulsveranstaltung an der iba Leipzig. Begleitet wird es vom Resonanzraum RESO Leipzig – Resonanz, Sinn und Organisation in der Sozialen Arbeit: einem unabhängigen Ort, an dem Fachkräfte, Leitungen und Forschende Fragen aus der Praxis gemeinsam sprachfähig machen.
Auf Wunsch werden die Ergebnisse der Leitungsebene oder den Mitarbeitenden beteiligter Einrichtungen vorgestellt.
Was daraus entstehen kann
Wertemanagement
Welche Rolle spielen formulierte Werte im organisationalen Alltag?
Personalentwicklung
Welche Bedeutung haben Profil, Sinn und Zugehörigkeit für Mitarbeitende?
Profilschärfung
Welche Fragen ergeben sich für die Weiterentwicklung des konfessionellen Profils?
Projektleitung
Dr. Raik Zillmann
Praxisforschung · Religionswissenschaft · Sozialmanagement
Professor für Soziale Arbeit und Sozialmanagement an der iba Leipzig und Religionswissenschaftler. Seit drei Jahrzehnten forscht, berät und begleitet er Organisationen der Sozialen Arbeit. Mehr zur Person
Beteiligen Sie sich
Für die erste Forschungsphase suchen wir Fachbereichs-, Einrichtungs- und Teamleitungen konfessioneller Träger in Mitteldeutschland, die ihre Erfahrungen in ein vertrauliches Gespräch einbringen möchten. Termin und Ablauf richten sich nach Ihren Möglichkeiten.
Kontakt aufnehmenProjektinformation als PDF herunterladen (2 Seiten)